Unser-Vater-Fenster

Das Gebet als Textgraphik. Pastellfarbene Buchstaben leuchten aus dem schwarzen Hintergrund. Der Text ist ohne Interpunktion geschrieben in lauter Majuskeln. Die Wörter sind manchmal unterbrochen von weissen, gelben oder roten Blumen.
Es sind 5 Felder. Im obersten, durch einen Bogen abgerundeten, fliegt eine weisse Taube mit offenen Flügeln wie im Sturzflug herab. Ihre Schwanzfedern sind deutlich gefächert. Die Taube befindet sich selber in einem rot gefiederten, dreieckigen Fächer, oben geöffnet, nach unten hinein in die Schriftzeichen sich zuspitzend. Die beiden dreieckigen Flächen, die an die Schenkel des Fächers links und rechts anschliessen, sind gesäumt mit blauen, sternartigen Blüten auf schwarzem Grund. In den Blüten stehen zwei Figuren, links eine weisse, rechts eine rote. Zusammen mit der Taube lassen sie der Dreizahl wegen an die Trinität denken. Durch die Anordnung weiterer gelber Blüten in der Mitte des zweiten und roter in der Mitte des vierten Feldes und dunkelroter im untersten Feld entsteht die Vorstellung einer eingebetteten Pflanze oder eines Blüten- oder eben Buchstaben- oder Wortbaumes.
Im untersten Feld, gleichsam inmitten der Wurzel dieses Baumes, schliesst das Gebet mit dem Amen. Darunter sind erkennbar 24 menschliche Gestalten mit hellen Gesichtern und vorwiegend blauen Gewändern. Unten auf dem Rand des Fensters stehen rot die beiden griechischen Buchstaben Alpha und Omega. In der Johannesoffenbarung findet sich eine Szene vom himmlischen Thronsaal. Auf den Thronen sitzen 24 Älteste, angetan mit weissen Gewändern. Die 24 fallen vor dem, der auf dem Thron sitzt, nieder und beten ihn an, der in aller Ewigkeit lebt. (Off. 4,4.10.) Wer genau mit den 24 gemeint ist, ist schwer zu sagen. Die Verdoppelung der Zahl 12 lässt an Vollkommenheit und Ganzheit denken. An eine Verbindung der Repräsentanten des alten Gottesvolkes mit seinen 12 Stämme und derjenigen des neuen Gottesvolkes mit seinen 12 Jüngern.
Dass Hunziker diese Szene vor Augen hat, ist denkbar, jedenfalls war es ihm wichtig, diejenigen darzustellen, die das Gebet empfangen, es durch Beantwortung und Weitergabe blühen und wachsen lassen. Was mit den 24 Menschen gemeint ist, darf die sich im Kirchenraum versammelte Gemeinde darum immer auch auf sich selber beziehen. Sie lebt mit dem vom Himmel offenbarten, durch die Aufnahme unter den Menschen geerdeten, Gebet, in dem der christliche Glaube eine überall und immer gültige einmalig zugespitzte Aussage findet.
Text: Hansjakob Schibler, Fotos: Peter Schärer
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