Auferstehungsfenster

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Der tief blaue Hintergrund lässt den blaubeschattete, eigentlich weissen, Christus und den noch stärker blau beschatteten Engel sehr dezent hervortreten. Christus in der sogenannten Oranten­stellung trägt die Wundmahle an den Händen, den Füssen und an der Seite.  

Die hochgestellten Flügel des Engels umrahmen ihn. Über ihnen und über dem Kopf Christi schwebt ein Kreis mit drei grossen und vielen kleineren schneeflockenartigen Sternen. Die Füsse der Heilandsfigur und die Knie des Engels haben Kontakt zum braunen Rund der Erde. Hinter dem mit einem Tuch bedeckten Unterleib Christi und hinter dem Flügel des Engels markieren zwei braune Balken den erdigen Horizont. Ganz unten vor einem hellgrünen Hintergrund liegen drei ineinander verkeilte Totenschädel.

Diese symbolhaften Andeutungen folgen dem dreistufigen Weg Christi vom Kreuz in die unterweltliche Tiefe des Grabes und dann wieder hinauf zur Auferweckung und Auffahrt in den Himmel. Wieder, wie im Weihnachtsbild, ist alles auf das Wich­tigste reduziert: Kein erbrochenes Grab, keine geschlagenen Wächter, kein Erdbeben und kein Sturm, neben Christus nur der Engel, nackt, ernst, mit gefalteten Händen.

Das geheimnisvolle „Hunzikerblau", das auf die weissen Figuren seine hellen Schatten wirft, bleibt der Haupteindruck. Dem Künstler gelingt eine Darstellung, die das Mysterium des Glaubens enthüllt und es doch verborgen lässt: Der Auferstandene ist der Gekreuzigte, der Himmlische ist der zu den Toten Gefahrene. 

Bei der Würdigung kommt man nicht darum herum, das Auferstehungsfenster Hunzikers mit dem weltberühmten Gemälde von Matthias Grünewald auf dem lsenheimer Altar in Colmar zu vergleichen. Hunziker hat das Bild sicher gekannt und sich davon auch beeinflussen lassen. Bei Grünewald ist der Kopf Christi in den Lichtkreis der aufgehenden Sonne getaucht, bei Hunziker liegt der Sternenkreis über dem Kopf, es gibt weitere Parallelen, die Wundmahle an den erhobenen Händen, der konfrontierende Blick, das Schweben über dem Grab, respektvoll lässt der Glasmaler das Vorbild anklingen und bleibt seinem Stil trotzdem treu.

Das Auferstehungsfenster bildet mit dem Weih­nachtsfenster zusammen die mittlere Achse im Kirchenschiff. Die beiden Bilder weisen auf die zentralen Glaubensaussagen des christlichen Glaubens: Christus, als Mensch geboren, am Kreuz gestorben, auferstanden und in den Himmel gefahren.

Text: Hansjakob Schibler, Fotos: Peter Schärer 

 

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