Abendmahlsfenster

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Ahrenfeld mit Rad: Kornähren, ein Mühlrad und Vögel in einer eigenwilligen Anordnung. Dem Mühlrad fehlt der untere Teil. Der Schnitt belässt ihm immerhin die Nabe, welche aus einem menschlichen Antlitz besteht. Die Speichen sind menschliche Gestalten in der gleichen Haltung (Achtungsstellung!) wie die Figuren auf dem Weihnachts­bild. 

Das Rad selber besteht aus fünf Reifen, die in verschie­denen roten und blauen Tönen koloriert sind. Die Vögel, ebenfalls rot und blau und weiss bemalt, sind nicht leicht erkennbar. Vier fliegen im auf- und absteigenden Gleitflug, über ihnen fliegen drei gegen einander aufwärts. Bei den Ähren, die in einem bräunlichen Gelbton gehalten sind, sind die einzelnen Körner und Fäden fein eingezeichnet. Über und unter dem Bild in der grünlichen Scheibe sind in einem viel goldigeren Gelb nochmals je drei Ähren aufgemalt. 

Das Bild ist ohne Zweifel schon immer auf das Abendmahl bezogen worden. Dabei ist kein Brot zu sehen und auch nicht dessen Herstellung. Natürlich kann man daran denken, dass in der Mühle die Körner gemahlen werden. Die Vögel des Feldes deuten aber eher auf die Tatsache hin, dass man auch ihnen etwas von der Ernte übriglassen soll. 

Das Mühlrad mit seinen Lebensfarben und vermenschlichten Bestandteilen ist ein Symbol, das weit über das Brotessen hinaus auf die Ernte des Lebens und auf das Gericht hinweist. Nun hat aber die Einsetzung des Abendmahls am Vorabend der Verurteilung und Kreuzigung Jesu natürlich genau diesen Bezug auch. 

So kann man dem Künstler einmal mehr attestieren, dass er über die Verfremdung durch das Mühlrad, - er zeigt keine essenden Jünger, er zeigt keinen Judas, der von seinem Herrn ein Stück Brot bekommt, - die existentielle Dringlichkeit und Notwendigkeit der biblischen Botschaft hervorhebt. Unser tägliches Brot gib und heute. Wenn es vor allem als Illustration dieser Bitte des Herrengebetes zu verstehen ist, dann darf das Mühlrad auch im Sinne der menschlichen Mitbeteiligung, also im Sinne der Arbeit, verstanden werden. Die Vögel bekommen ihr Essen auch so, der Mensch muss dafür arbeiten. Dafür, dass er dies vermag, ist er aber wie die Vögel des Himmels auf den Herrn des Himmels angewiesen.

Text: Hansjakob Schibler, Fotos: Peter Schärer 

 

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