Gebets- und Engelsflügel-Fenster

Engelsflügel
Das durch die Empore getrennte Fenster zeigt im oberen Teil eine grüne Figur vor einem gewaltigen Flügel.
Seine Federn sind oben himmlisch, weiss, hellblau und blau unten irdisch braun gefärbt. Die weibliche Gestalt hat auf ihrem Mantel ein gelbes Kreuz. Ihre Arme mit offenen Händen hängen ganz leicht angewinkelt nach unten, eine der Gebetshaltung verwandte Geste, welche anerkennende Ehrfurcht und demütige Empfangsbereitschaft zum Ausdruck bringt.
Gebet
Vor rotem Hintergrund, der durch schwarze Flecken und wolkige Schatten durchbrochen wird, treten weiss hervor unten zwei gefaltete Hände, darüber drei fliegende Tauben, die von links und rechts und von oben mit ihren spitzen Schnäbeln auf die gespreizten Daumen hinzielen.
Auffällig ist die Darstellung der Finger, die im Stile einer optischen Täuschung jeweils nur eine gemeinsame Kontur haben. Die Hände scheinen aus edlen blaurotgoldfarbenen Ärmeln herauszuschauen.
Die Tauben, die zu den betenden Händen heranfliegen, entsprechen dem Unser Vater-Fenster, wo von zuoberst ein fast gleicher Vogel sich herabstürzt.
So ist hierzu wohl auch das Gleiche zu sagen. Dass das Gebet von dem Geist lebt, der es beseelt. Das Gebet ist im strengen protestantischen Sinn nicht als Beeinflussung Gottes zu sehen, es ist Antwort auf die Gnade, es ist Meditation dessen, was dem Menschen von Gott zugutekommt. Und so ist auch die in den königlichen Ärmeln angedeutete Veredelung des Menschen zu sehen.
Text: Hansjakob Schibler, Fotos: Peter Schärer
Download: